Diplomarbeit: Securization und Insurance von Markenwerten – Analyse und Konzept im Auftrag der Branding-Institute AG

Von Philipp Christen und Harald Rolli, Betriebsökonomen FH

Zwei Studenten der Berner Fachhochschule widmeten sich in ihrer Diplomarbeit der Frage, inwiefern die Marke als Vermögensgut finanziell zweckdienlich eingesetzt und genutzt werden kann. Anhand bekannten und in anderen Bereichen erfolgreich eingesetzten Strategien einerseits, sowie neuen, innovativen Finanzierungsformen andererseits zeigt diese Arbeit Chancen und Gefahren, Stolpersteine sowie neue, ungeahnte Möglichkeiten im Bereich der finanziellen Nutzung von immateriellen Güter auf.

Als Einführung dient eine ausführliche Darstellung über die theoretischen Aspekte der einzelnen Bereiche Marke, Kredit und Versicherung. Diese Grundlagen werden vertieft betrachtet und reichen vom bestehenden Markenrecht, über die verschiedenen Arten von Krediten, bis hin zu den neusten Ansätzen des Risikotransfers im Versicherungsbereich.


Konventionelle Möglichkeit

Nach der umfassenden Einführung prüfen die Autoren die Eigenschaften der Marke bezogen auf die Eignung als herkömmliche Sicherheit im Kreditgeschäft. Dies geschieht anhand eines eigens dafür entwickelten Modells, welches sich in den Ausprägungen und Funktionsweisen an ähnliche Transaktionen wie bspw. dem Hypothekargeschäft anlehnt. Im skizzierten Modell legt eine Beratungsfirma aufgrund eines allgemein anerkannten Markenbewertungsmodells den Wert einer Marke fest. Um die Marke als festen Wert hinterlegen zu können sichert eine Versicherung den Wert, gegen entsprechende Prämienzahlungen, gegenüber einer Bank ab. Die Bank gewährt dem Unternehmen Kredit und erhält als Sicherheit beim Kreditausfall die Marke. Bei einem allfälligen Kreditausfall übernimmt die Versicherung den Schaden der Bank aus dem Kreditgeschäft.

Die kritische Betrachtung dieses Modell zeigt jedoch einige Schwachpunkte auf, wodurch sich diese konventionelle Methode nicht, oder nur sehr schwer, auf das erstellte Modell adaptieren lässt. Rein technisch wäre der Prozess einer solchen Transaktion vorstellbar, jedoch kann bereits durch die Ergebnisse mittels Prüfung anhand der theoretischen Aspekte davon ausgegangen werden, dass solche Geschäfte sehr unwahrscheinlich sind. Die Hauptgründe für das Scheitern des Modells liegen in vielen einzelnen Bereichen, die in der verfassten Arbeit genauer erläutert werden. Die zwei wichtigsten Faktoren seien nachfolgend kurz erklärt.

Bewertungsprobleme und schwierige Versicherbarkeit

Die Markenbewertung stellt trotz der Annahme der Existenz eines allgemein anerkannten Bewertungsmodells ein kaum überwindbares Hindernis dar. Fehlende Standards sowie die Unsicherheit im Umgang mit werthaltigen immateriellen Vermögenswerten veranlassen die Verfasser zu diesem Fazit. Diese Schlussfolgerung wird nicht nur durch die erarbeitete Theorie und entsprechender Literatur, sondern auch in den Interviewaussagen von Spezialisten eindeutig gestützt.

Das zweite relevante Problem ist die fehlende Versicherbarkeit. Sie beruht auf den vielen, kaum definierbaren (deterministischen) Einflüssen, welche auf den Markenwert einwirken können. Somit werden die elementaren Berechnungen für Versicherungen, die erwartete Schadenshöhe sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit, kaum mehr möglich. Das dadurch gestiegene Risiko führt, sofern sich überhaupt ein Versicherer findet, der bereit ist dieses Risiko zu übernehmen, zu entsprechend überhöhten Prämien, wodurch die Wirtschaftlichkeit einer solchen Versicherung in Frage gestellt werden muss. Das Versicherungsgeschäft unterliegt, durch die (mehrheitlich) freien Ausgestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Verträge, dem gängigen ökonomischen Prinzip, in welchem sich Angebot und Nachfrage über den Preis regeln. Die Versicherungsprämie wird somit zum zentralen Aspekt und wird durch ihre Höhe, entstehend durch die erwähnten Unsicherheiten und Risiken, dazu führen, dass Angebot und Nachfrage kaum je aufeinander treffen werden.


Asset-Backed-Securization als Alternative?

Die Asset-Backed-Securization als innovative Form der Finanzierung hat bereits in vielen Wirtschaftszweigen für Erstaunen gesorgt. Die Adaptierbarkeit dieser Methode auf fast sämtliche Vermögenswerte („Any receivable that generates a cash flow can be considered for a securitisation. As long as it generates cash flows it probably can be pooled, packaged and presented to investors “ ) eröffnen ungeahnte Möglichkeiten. Das Konzept der ABS beruht in der Umwandlung von Assets in handelbare und besicherte (Backed) Wertpapiere (Securities). Ein Originator verkauft durch die Verbriefung ihre Rechte an zukünftigen Zahlungsströmen an eine eigens für dieses Geschäft gegründete Zweckgemeinschaft. Die unterschiedlichen Forderungen gegenüber den Kreditnehmern werden also in einem Pool zusammengefasst, der seinerseits durch die Emittierung von Wertpapieren, den Asset-Backed-Securities, refinanziert wird. Mit den direkten Erträgen aus den gepoolten Aktiven werden die Zins- und Kapitalforderungen auf den Wertpapieren bezahlt.

Rechtliche Vorschriften und Generierung von Cash-Flow

Die rechtliche Trennung der gepoolten Aktiven sowie die Generierung eines regelmässigen und konstanten Cash-Flows stellen die grössten Schwierigkeiten dar. Aus rechtlicher Sicht steht der Verbriefung eines Markenwerts nichts im Wege, das Aktivum muss einzig frei von Belastungen oder anderweitigen Rechtstiteln sein. Die Problematik besteht eher in der rechtlichen Trennung der einzelnen Aktiven. Dies könnte insofern bei grösseren Unternehmen mit komplexer Markenstruktur oder in Konkursfällen zu Schwierigkeiten führen.

Die Generierung eines regelmässigen Cash-Flows aus einer Marke mag anfänglich ebenfalls gewisse Fragen aufwerfen, da die Marke an sich ein nicht zinstragendes Aktivum darstellt. Mit Hilfe einer geschickten Strukturierung und einer entsprechenden Diskontierung beim Verkauf an die Zweckgemeinschaft kann jedoch ein künstlicher Zahlungsstrom konstruiert werden. Zudem gibt es weitere, denkbar einfachere Varianten. So stellen bspw. Einnahmen aus Lizenzgebrauch den naheliegensten Cash-Flow dar.


Fazit

Während die Nutzung der Marke zur Fremdfinanzierung mittels herkömmlichen Strategien aufgrund der ausgeführten Problemen scheitert, verbirgt sich im System der Asset-Backed-Securities eine valable Möglichkeit. Chancen und Gefahren liegen jedoch auch hier nahe beieinander. Es gilt abzuwarten wie sich das Bewusstsein über immaterielles Vermögen entwickelt, welchen Tendenzen die Finanzmärkte nachgehen und ob praktikable Lösungen gefunden werden können. Somit ist kein Run auf die Verbriefung von Markenwerten zu erwarten. Die Strukturen für mögliche „Firsts“ jedoch bestehen.